Radfahren in Essen

Einst galt Essen als fahrradunfreundlichste Großstadt Deutschlands. Heute finden Radfahrer im Alltag wie auch in der Freizeit eine radverkehrsgerechtere Infrastruktur und jede Menge grüne Wege.

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Seit vier Jahren legt Stefanie Siebelhoff die 15 Kilometer lange Strecke zwischen ihrem Wohnort Hattingen Winz-Baak und ihrer Arbeitsstätte im Essener Franz Sales Haus an der Steeler Straße mit dem Fahrrad zurück – bei jedem Wetter. „Zwei Drittel der Strecke bin ich abseits des Straßenverkehrs auf dem Leinpfad entlang der Ruhr unterwegs“, erklärt die 49-Jährige. In Huttrop angekommen durchquert sie das Siepental und bewegt sich dabei vornehmlich auf Fahrradstraßen. „Ich nehme gerne mal einen Kilometer mehr in Kauf, wenn ich dafür jenseits der großen Straßen unterwegs sein kann“, so die Organisationsentwicklerin, die auch innerhalb Essens weite Strecken mit dem Rad zurücklegt. So zum Beispiel, wenn sie einen der zahlreichen Standorte des Franz Sales Hauses im Stadtgebiet -besucht. Das Rad ist für sie längst zum Verkehrsmittel erster Wahl geworden. Mit wetterfester Kleidung ausgestattet und Winterreifen am Rad, scheut Stefanie Siebelhoff auch in der dunklen Jahreszeit keine Distanzen. Mit ihrem Trekkingrad hat sie bereits 34.000 Kilometer zurückgelegt und dabei festgestellt: „Ich kann im Alltag wirklich alle Wege gut mit dem Rad bewältigen.“

Infrastruktur für Radler

Die Grüne Hauptstadt setzt auf Alltagsradler wie Stefanie Siebelhoff. Bis zum Jahr 2035 sollen die Essener 25 Prozent der täglichen Wege mit dem Rad zurücklegen. 2011 lag der Anteil der Bürger, die ihr Rad für den Weg zur Arbeit nutzen, bei lediglich fünf Prozent. Der Steigerungsbedarf ist also deutlich zu erkennen. Mit einer Reihe von Maßnahmen möchte die Stadt daher eine radverkehrsgerechte Infrastruktur schaffen und Berufspendler mit fahrradfreundlichen Verkehrsregelungen unterstützen. Das Radfahren soll attraktiv, komfortabel und sicher werden. Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre werden in Essen Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet. Bisher profitieren Radler in 292 der rund 560 Einbahnstraßen im Stadtgebiet von dieser Regelung. Zudem hat die Stadt 41 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von etwa 20 Kilometern eingerichtet, von denen einige durchgehende Züge bilden. „In Essen hat sich schon viel getan, seit die Stadt 1991 vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) mit der ,Rostigen Speiche’ zur fahrradunfreundlichsten Großstadt Deutschlands gekürt wurde. Dennoch würde ich mir wünschen, dass mehr Planer zwischendurch auch einmal die Fahrradbrille aufsetzen würden“, gibt Stefanie Siebelhoff zu Bedenken. Nicht selten fehle es an Anschlüssen, so dass Radwege einfach im Nichts enden.

Freizeitspass mit dem Rad

Radfahren macht in Essen natürlich auch nach Feierabend Freude. Durch das Stadtgebiet verlaufen gleich mehrere regionale Radrouten, vom EmscherParkRadweg über den Emscherweg bis hin zum RuhrtalRadweg. Freizeitradler können auf 16 Thementouren und -routen die Stadt entdecken. Besonders beliebt sind zudem Touren über ehemalige Trassen der Zechenbahnen, die ein entspanntes, steigungsarmes Fahren versprechen. „Auf diesen Bahntrassen radelt man verkehrsfrei und kann dadurch seinen Gedanken freien Lauf lassen. Rechts und links ist jede Menge Grün und es gibt die eine oder andere Sehenswürdigkeit am Wegesrand“, weiß Melanie Hundacker aus Erfahrung. Die 44-jährige Essenerin ist begeisterte Freizeitradlerin und gerne mit dem Tourenrad im Stadtgebiet unterwegs. Mit dem Mountainbike sucht sie die sportliche Herausforderung auf den Ruhrhöhen in den Wäldern im Essener Süden, aber auch auf der Schurenbachhalde ist sie gerne unterwegs: „Die Halde ist auch für Anfänger gut geeignet und belohnt oben angekommen mit der Aussicht auf fünf Großstädte.“

Gemeinschaftlich Gärtnern

In Essen wird rege gegärtnert. Ob auf leeren Grundstücken, alten Spielplätzen oder anderen Brachflächen – die Menschen stecken die Hände wieder in die Erde und bauen ihr eigenes Obst und Gemüse an.

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Nutzgärten in der Stadt sind an sich kein neuer Trend. Insbesondere Kleingartenanlagen haben im Ruhrgebiet eine lange Tradition und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Neu hingegen sind die aktuell entstehenden Gartenprojekte auf öffentlichen Flächen, die zum Mitmachen einladen.

Der erste Essener Gemeinschaftsgarten entstand 2013 in Kooperation mit der BUND-Kreisgruppe Essen, der Volkshochschule und der Initiative Transition Town. Bis heute treffen sich in dem „Draußen-Stadtteilzentrum“ im Siepental Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zum urbanen Gärtnern. Neun weitere Projekte sind mittlerweile hinzugekommen.

Auf wie viele unterschiedliche Arten und Weisen das gemeinsame Gärtnern in der Stadt interpretiert wird, zeigt die mobile Fotoausstellung „Gemeinschaftlich Gärtnern in Essen“, die vom 5. bis zum 26. April in der Orangerie des Grugaparks Essen zu sehen ist.

www.essengreen.capital

Grünes Zollverein

Seit der Stilllegung von Zeche (1986) und Kokerei (1993) hat sich auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt.

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Einst war Zollverein die größte Zeche der Welt. Heute, 30 Jahre nach Schließung der Zeche, hat sich die Natur ihren Lebensraum zurückerobert. Das Areal des Zollverein Parks ist heute artenreicher und grüner als je zuvor. Heute ist das Welterbe Heimat für Zwergfledermaus, Kreuzkröte und Turmfalke. Zudem sind seit 2013 auf dem Dach des Unternehmenssitzes der RAG Montan Immobilien acht Bienenvölker angesiedelt. Eine Reihe von Veranstaltungen, Führungen und Ausstellungen lässt Besucher die grüne Seite des Welterbes entdecken. Wer die Artenvielfalt kennenlernen möchte, ist bei den Exkursionen von Ruhr Museum und NABU genau an der richtigen Adresse. Die Führungen unter dem Titel „Natur auf Zollverein“ starten im April und nehmen jeweils eine bestimmte Art in den Blick.

Anlässlich der Grünen Hauptstadt zeigt das Ruhr Museum zudem eine umfassende Ausstellung zum Thema „Grün in der Stadt. Mehr als Parks und Gärten.“ Die Ausstellung in Halle 5 des Welterbes erstreckt sich über 1.000 Quadratmeter und ist vom 21. Mai bis zum 27. August 2017 zu sehen. Sie wurde gemeinsam vom Projektbüro der Grünen Hauptstadt, der Stiftung Zollverein sowie dem Ruhr Museum realisiert und vom Umweltministerium Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Schau zeigt den Wandel der Stadt von einem einst grünen Landstrich in eine Industriestadt, die sich heute wieder zu einer grünen Stadt entwickelt.

www.ruhrmuseum.de

Fische im Fahrstuhl

Ein neuartiges Fischliftsystem am Werdener Wehr hilft Wanderfischen wie Lachsen, Hechten und Barben künftig beim Aufstieg in den Baldeneysee.

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Zwischen dem Baldeneysee und dem Unterlauf der Ruhr bei Werden liegt ein Höhenunterschied von rund neun Metern. Das Wehr gilt bisher als unüberwindbares Hindernis für all jene Fische, die flussaufwärts wandern wollen – um Laich abzulegen, Nahrung zu finden oder Winterruheplätze aufzusuchen. Das soll sich ändern. Im Herbst dieses Jahres beginnt der Ruhrverband am Baldeneywehr mit dem Bau eines neuartigen Fischlifts.

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse am Werdener Wehr ist der Einsatz einer herkömmlichen Fischaufstiegsanlage nicht möglich. Stattdessen kommt nun ein neuartiges Liftsystem zum Einsatz. Norbert Jardin, Technischer Vorstand des Ruhrverbandes, erklärt, wie es funktioniert: „Der Fischlift besteht aus einer zylinderförmigen, senkrechten Röhre, in der – ähnlich wie in einer Schleusenkammer – der Wasserstand zwischen Ober- und Unterwasser durch Befüllen und Entleeren ausgeglichen wird. Der Liftkorb bewegt sich dabei mit und befördert die Fische wie in einem Fahrstuhl nach oben.“ Um zu überprüfen, ob genügend Fische an Bord sind, wird die Anlage per Video überwacht. Zudem soll sichergestellt werden, dass wanderwillige Fische stets einen „freien“ Lift vorfinden. Aus diesem Grund werden künftig am Baldeneysee zwei Fischlifte alternierend betrieben.


Impressum

Bildnachweise in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
Bilder 1,2,3 und 5: Jochen Tack
Bilder 4 und 6: Mike Henning
Bild 7: Jan Pauls
Bild 8: Rupert Oberhäuser
Bild 9: RAG Montan Immobilien
Bild 10: Ruhrverband

Impressum

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Geschäftsführer: Michael Höffken, Guido Schweiß-Gerwin

Erfüllungsort und Gerichtsstand: Essen
Handelsregisternummer: HRB 20929
USt-ID-Nr.: DE262295109

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