Green Jobs & Innovation

13.000 Menschen in Essen arbeiten in der „Green Economy“, damit ist die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 die Nummer eins im Ruhrgebiet. Dieses Umweltbewusstsein trägt nicht nur zum Erreichen der Klimaziele bei, sondern kurbelt zudem die lokale Wirtschaft an.

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Eine leuchtend grüne Flüssigkeit blubbert in den Probenflaschen an Sarah Zydorczyks Arbeitsplatz. Bis auf das leise Gluckern ist es still im Forschungslabor der Universität Duisburg-Essen. Sarah Zydorczyk züchtet Algen. Chlorella vulgaris, um genau zu sein. Für das Forschungsvorhaben der Bauingenieurin ist die widerstandsfähige Alge, die selbst in Abwasser überlebt, perfekt geeignet. „In unserem Abwasser finden sich zahlreiche anthropogene, also vom Menschen stammende Spurenstoffe wie Medikamentenrückstände. Trotz der extrem niedrigen Konzentration können diese von den Kläranlagen nicht vollständig beseitigt werden“, erklärt die Wissenschaftlerin. Ihr Ziel es ist, die besagten Spurenstoffe mithilfe der Alge auf natürliche Weise abzubauen.

Lokale Vorreiter

Rund 13.000 Essenerinnen und Essener sind in der Öko-Innovation und für nachhaltige Projekte tätig. An Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit mangelt es der Stadt nicht. Mehr als 100 Essener Unternehmen haben seit 2002 an dem Umweltzertifizierungsverfahren ÖKOPROFIT (Ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik) teilgenommen und durch ressourcensparendes Wirtschaften die Umwelt entlastet. „Ziel von ÖKOPROFIT ist es, lokal etwas Gutes für die Umwelt zu tun und im Zuge dessen die eigenen Betriebskosten zu senken“, fasst Dr. Erich Bauch von der EWG-Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft zusammen. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde und jeder nicht erzeugte Abfall senkt die Ausgaben eines Unternehmens. Die Liste der Unternehmen, die sich beteiligen, reicht von großen Konzernen über Krankenhäuser und Handwerksbetriebe bis hin zu Finanzdienstleistern. „Von Umweltmaßnahmen profitiert auch die Wirtschaft“, betont Dr. Bauch die Bedeutung nachhaltiger Projekte für die Region. Er verweist darauf, dass am Umweltschutz in Essen viele kleine Unternehmen beteiligt sind: „Abseits von großen Konzernen gibt es mittlerweile auch eine aktive Gründerszene in der Region, insbesondere in Essen. Gerade diese jungen Firmen sind es, die auf neue Märkte reagieren und neue Ideen entwickeln.“

Nachhaltige Stadtentwicklung

Das weiß auch Kai Lipsius, der Leiter der Stabsstelle für Klimaschutz des Essener Umweltamtes, der seit 2012 das Management der städtischen Klimaschutzaufgaben betreut. Mit dem Integrierten Energie- und Klimakonzept (IEKK) hat der Konzern Stadt Essen im Jahr 2009 eine Gesamtstrategie zur nachhaltigen Stadtentwicklung, zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung erstellt. „Es geht uns darum, eine andere Selbstverständlichkeit für das Thema Klimaschutz zu entwickeln“, erklärt der Diplom-Geoökologe. „Klimaschutz darf nicht länger als zusätzliche Aufgabe betrachtet werden, wir müssen ihn zu einem Teil unserer Kultur machen.“ Unter dem Dach der klima|werk|stadt|essen werden seither die Kompetenzen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommune versammelt. Konkret greifbar wird die klima|werk|stadt|essen durch die Klimaagentur, eine Einrichtung der Stadt Essen, bei der die Marktaktivierung im Vordergrund steht. „Klimaschutz hat viel mit lokalem Handel und lokaler Produktion zu tun“, erklärt Kai Lipsius. „Insbesondere die Transformation in eine kohlenstoffarme Stadt bringt fundamentale Veränderungen mit sich und führt so zu technischen und sozialen Innovationen. Das schafft neue Arbeitsplätze und belebt die lokale Wirtschaft.“

Fest der Bewegung und der Begegnung

Zum „Tag der Bewegung“ am 2. Juli wird ein Teil des Essener Innenstadtrings für den Autoverkehr gesperrt. Das Straßenfest setzt auf einer Strecke von etwa 3 Kilometern die Themen der Grünen Hauptstadt in Szene und lädt zum Mitmachen ein.

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„Am 2. Juli ist in Essen einfach alles möglich. Und alle machen mit“, verspricht Uwe Loch, der künstlerische Leiter des bewegten Straßenfestes. „Wir wollen die Themen der Grünen Hauptstadt erfahrbar machen“, so der Chef-Planer. Aber wie gelingt diese Annäherung? Durch Mitmachen natürlich. Sei es beim Bemalen lebensgroßer Sparkassen-Sparschweine, bei der Teilnahme am Seifenkistenrennen oder einer Tour im mobilen Klettergarten. Über 120 Aussteller – darunter Vereine, Institutionen, Unternehmen und 32 städtische Kitas – beteiligen sich am Straßenfest. Am Stand von Rot-Weiß-Essen können sich Fußball-Fans auf den Weg von Helmut Rahn begeben und an der Torwand sogar selbst das berühmte Tor aus dem WM-Finale von 1954 schießen. Die Contilia Gruppe startet mit ihren Krankenpflege-Schülern einen Rekordversuch im Blutdruckmessen. Die Polizei Essen setzt Passanten die Rauschbrille auf und die Entsorgungsbetriebe sind mit einem Tastspiel vor Ort. Die Friedrich-Ebert-Straße wird zur Spielstraße und eine Modenschau zeigt Schickes aus Plastiktüten. Bei der Inszenierung „Moving Green“ präsentieren Künstler aus Belgien gemeinsam mit 1.500 Radfahrern des ADFC eine originelle Fahrrad-Parade. Im Kreisverkehr am Limbecker Platz sind an einem Kran in 40 Metern Höhe Menschen auf ihren fliegenden Fahrrädern zu bestaunen.

Für den „Tag der Bewegung“ werden die Hindenburgstraße ab Höhe Maxstraße und die Friedrich-Ebert-Straße bis zur Einmündung Rottstraße auf einer Strecke von ca. 1,5 Kilometern für den Autoverkehr gesperrt. Das Fest findet am Sonntag, 2. Juli, von 11 bis 17 Uhr statt.

Paradiese & Utopien

Am 8. und 9. Juli wird der Stadtgarten zum Spielplatz der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017. Auf dem gesamten Parkgelände erwartet die Gäste beim Familien- und Upcyclingfest ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Mitmach-Aktionen.

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Ausgehend von einer großen Bühne vor dem Aalto-Theater verwandelt sich der Stadtgarten am zweiten Juli-Wochenende in einen ganz besonderen Ort der Nachhaltigkeit. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm wird von Schülerinnen und Schülern der Folkwang Musikschule und des Essener Jugend-Symphonie-Orchesters mitgestaltet und verspricht außergewöhnliche Darbietungen sowie einen ökumenischen Gottesdienst. Letzterer trägt den Titel „Toast, Schwarzbrot, Sekt und Selters“ und ist für Samstagabend, 20 Uhr, geplant. An verschiedenen Orten im Park stellen Bürger ihre mobilen Projekte vor. Ebenso kann eine Auswahl der eingereichten Fotografien zum Thema „Mein Grün und ich“ bestaunt werden. Wer sich für das Thema Re- und Upcycling interessiert, kommt an den zahlreichen Marktständen auf seine Kosten.

KLASSIK-OPEN-AIR IM STADTGARTEN
Bereits am 7. Juli ab 20.30 Uhr sind die Essener Philharmoniker im Stadtgarten zu hören, denn das Sommerkonzert der Landesregierung unter dem Motto „Klassik für alle“ macht in diesem Jahr in Essen Station. Unter der Leitung von Tomaš Netopil begeistern die Essener Philharmoniker mit Opernhits aus „Carmen“, „La Bohème“ oder „Romeo und Julia“ die Gäste. Mit von der Partie sind diesmal internationale Solistinnen und Solisten wie Bettina Ranch, Gianluca Terranova, Sergei Nakariakov und Narek Hakhnazaryan. Zur „NRW-Sommernacht“ in der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Grün in der Stadt

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Anlässlich der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 präsentiert das Ruhr Museum noch bis zum 27. August die Sonderausstellung „Grün in der Stadt. Mehr als Parks und Gärten.“ Was die Besucher der Schau erwartet und inwiefern Bürgerbeteiligung zur Grüngestaltung der Stadt beiträgt, erklärt Simone Raskob im Interview

Säen, ernten, Essen

Beim Auftakt der Veranstaltungsreihe „säen, ernten, Essen“ konnten die Gärten der Grünen Hauptstadt mit dem Fahrrad erkundet werden. Auch beim zweiten Aktionstag am 9. Juli führen die Radrouten wieder in Essens grüne Oasen.

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Die Veranstaltung „säen, ernten, Essen“ rückte am 14. Mai die Themen Ernährung, Gemeinschaft und Selbstversorgung in den Mittelpunkt. Fünf verschiedene Fahrradstrecken führten an Essens essbare Orte und machten diese erlebbar. Dabei war es den Besuchern freigestellt, die Routen selbst abzufahren oder sich einer der geführten Touren anzuschließen. 17 Landwirtschaftsbetriebe, Hofläden, Klein- und Gemeinschaftsgärten luden am ersten Aktionstag zum Mitmachen und Entdecken ein. So wurden am Gartenhaus Dingerkus vor allem alte Obst- und Gemüsesorten bewundert, während auf dem Mühlenbergshof das Hühnermobil im Mittelpunkt stand und im Planckgarten Samenbomben für kleine gärtnerische Guerilla-Aktionen gebastelt wurden.

Die Gartenreise geht weiter
Auch am zweiten Aktionstag der Veranstaltungsreihe dreht sich wieder alles um die grünen Oasen in Essen und die Lebensmittel, die dort zu finden sind. Am 9. Juli werden die teilnehmenden Orte erneut durch eigens konzipierte Radrouten über grüne Wege der Stadt miteinander verbunden. Die Radkarten für die fünf einzelnen Strecken können Interessierte sich vorab im Netz herunterladen. Das vielseitige Angebot der teilnehmenden Orte findet sich in den ausführlichen Programmflyern, die an verschiedenen Orten in der Stadt ausliegen. So können Familien im Nachbarschaftsgarten in Frohnhausen beispielsweise mit einem kleinen Frühstück in den Tag starten, für das sie ihre eigene Kräuterbutter herstellen. Im Haumanngarten informiert Imker Michael Maas über die Haltung von Bienen und am Niederfeldsee öffnen die Kleingärten Altendorf und Altendorf-Amalie sowie der Kleintierzuchtverein Amalie-Altendorf ihre Pforten. In Borbeck lädt der Steenkampshof zu einer Zeitreise ins 18. Jahrhundert ein. Ein weiteres Highlight verspricht das Frontcooking auf der Bonnekamphöhe zu werden: Hungrige können dort selbst Gemüse und Kräuter ernten, um sie im Anschluss von den Profis des Rüttenscheider Restaurants PAN live zubereiten zu lassen. Frischer geht’s nicht!
www.essengreen.capital/saeen-ernten-essen

Schnipseljagd im Grünen

Am 27. August und 24. September können Entdecker in Essen mit der Straßenbahn 105 oder dem Rad auf die Pirsch gehen.

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Die Grüne Hauptstadt lädt 2017 an zwei Terminen zu erlebnisreichen Entdeckungstouren entlang der NaturLinie 105 ein. Die Straßenbahn verbindet das nördliche Frintrop mit dem südlichen Rellinghausen – von der Emscher bis ins Ruhrtal, vorbei an durchgrünten Wohngebieten, historischen Parkanlagen und gewachsenen Wäldern. Im Rahmen einer Schnipseljagd mit der NaturLinie selbst oder dem Fahrrad gilt es, verschiedene Orte aufzuspüren und sich Rätseln aus den Themengebieten Wissenschaft, Kunst, Kultur und Handwerk zu stellen. Wer alle Rätsel lösen kann, nimmt im Anschluss an einer Verlosung teil. Dabei warten Gewinne wie Tickets für eine Stadtrundfahrt, Freikarten für Theatervorstellungen und die Philharmonie Essen (TuP), Eintrittskarten für das Ruhr Museum oder Ehrenkarten für das Musical „Dirty Dancing – Das Original live on tour“ im Colosseum Theater Essen auf die Teilnehmer. Mitmachen können alle Interessierten ab 15 Jahren.

ANMELDUNG PER MAIL
Sie wollen an einem der beiden Termine an der Schnipseljagd entlang der NaturLinie 105 teilnehmen? Dann teilen Sie uns Ihren Namen und die Anzahl der Mitspieler unter unten stehender Mailadresse mit und lassen Sie uns wissen, ob Sie mit der Straßenbahn oder dem Fahrrad teilnehmen möchten.
schnipseljagd@egc2017.essen.de

Resümee & Ausblick

Halbzeit in der Grünen Hauptstadt

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Im Gespräch blickt Simone Raskob, Umwelt- und Baudezernentin der Stadt und Projektleiterin der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017, auf die erste Jahreshälfte des Projektes zurück und wagt einen Blick in die grüne Zukunft der Stadt.

Downloads

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Hier finden Sie die barrierefreie PDF-Datei der Ausgabe 04.2017 von Heimatgrün, die mit freundlicher Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) erstellt wurde.

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Impressum

Bildnachweise in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
Bild 1, 2 und 3: Stefan Funke
Bild 4 und 9: Sascha Kreklau
Bild 5, 8 und 14: Rupert Oberhäuser
Bild 6, 7, 12, 13 und 15: Jochen Tack
Bild 10: Frank Vinken
Bild 11: Mike Henning

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v.i.S.d.P.: Michael Höffken, Guido Schweiß-Gerwin
Geschäftsführer: Michael Höffken, Guido Schweiß-Gerwin

Erfüllungsort und Gerichtsstand: Essen
Handelsregisternummer: HRB 20929
USt-ID-Nr.: DE262295109

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