Die Zukunft aus der Steckdose

Sie schnurren nahezu geräuschlos durch die Stadt und das vollkommen emissionsfrei: Elektrofahrzeuge. Familie Flores aus Rüttenscheid durfte sich für zwei Wochen ein strombetriebenes Auto ausleihen, um einen Selbstversuch zu starten.

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Mit geübten Handgriffen öffnet Ralph Kindel, organisatorischer Projektleiter der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017, die Tankklappe des schwarzen Kleintransporters und schließt das Ladekabel an. Familie Flores schaut ihm dabei aufmerksam über die Schulter, denn in den kommenden zwei Wochen wird sie mit dem Elektro-Siebensitzer auf sich allein gestellt sein. „Wir wagen das Experiment und tauschen unseren Opel Zafira vorübergehend gegen diesen Nissan e-NV200“, meint Dagmar Flores und nimmt den Schlüssel entgegen. Der Wagen ist eins von 15 Elektrofahrzeugen, die Nissan als einer der Hauptsponsoren der Stadt Essen für das Jahr der Grünen Hauptstadt zur Verfügung gestellt hat. In den kommenden zwei Wochen wird das Elektroauto die vierköpfige Familie nahezu geräuschlos durch den Alltag rollen.

Emissionsfreie Innenstadt

Gemeinsam mit Nissan hat die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 einen 12-Punkte-Maßnahmenplan erarbeitet, um Elektromobilität in der Stadt zu verankern. Dazu zählt unter anderem die „Emissionsfreie Innenstadt“, die durch den Einsatz von E-Fahrzeugen im Lieferverkehr realisiert werden soll. Bereits seit 2015 setzt DHL in den Essener Außenbezirken 15 elektrisch betriebene Streetscooter ein. Der Zusteller ist mit den E-Fahrzeugen sehr zufrieden, doch aufgrund der von der Stadt vorgegebenen Andienungszeiten bis 11 Uhr ist es bisher nicht möglich, in der Innenstadt auf die geräumigeren Diesel-Kastenwagen zu verzichten. Um dem Ziel der „Emissionsfreien Innenstadt“ ein Stück näherzukommen, dürfen Elektrofahrzeuge seit dem 12. Juli auf Antrag bis 13 Uhr ausliefern. Unter diesen Bedingungen haben die Zusteller zugesagt, weitere 20 E-Fahrzeuge in der Essener Innenstadt einzusetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt des Maßnahmenplans ist der bedarfsgerechte Ausbau des öffentlichen Ladenetzes, das bisher aus 30 öffentlich zugänglichen Wechselstrom-Ladesäulen von innogy SE besteht.

E-Alltag

„In der Innenstadt lässt sich der Ladevorgang gut mit einer kleinen Shopping-Tour verbinden“, verrät Dagmar Flores in der zweiten Woche des Experiments und steuert die Ladesäule in einer Seitenstraße des Kennedyplatzes an. Mittlerweile routiniert öffnet sie die Tankklappe und schließt das Kabel aus ihrem Kofferraum an. Das Aufleuchten eines blauen Lämpchens an der Säule bestätigt den Ladestart. „Daran könnte ich mich gewöhnen“, lacht die 48-Jährige. „Allerdings erfordert die Reichweite von lediglich 170 Kilometern ein gewisses Organisationstalent, da man ständig überlegen muss, wann man die Batterie wieder aufladen muss und was man währenddessen erledigen kann.“ Dann kommen Frau Flores und der Tesla-Fahrer vom Stellplatz nebenan miteinander ins Gespräch und tauschen Tipps zu den verschiedenen Lademöglichkeiten in Essen aus. Für den Kleintransporter von Familie Flores konnte sich auch die Polizei in Essen und Mülheim an der Ruhr begeistern. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden seit vergangenem Mai zwei elektrisch betriebene Fahrzeuge für Logistik- und Dienstfahrten genutzt, um sie auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen.

Elektrische Aussichten

Die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 hat mit ihren geliehenen E-Fahrzeugen bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Sollten sich die Berechnungen des Ökoinstituts Freiburg und verschiedener Fahrzeughersteller bestätigen und die Gesamtkosten eines E-Fahrzeugs unter denen eines konventionellen Antriebs liegen, soll diesen bei der Neubeschaffung von Dienstfahrzeugen künftig Vorrang gegeben werden, bis ein Drittel der städtischen Fahrzeugflotte elektrisch fährt. Auch Familie Flores zieht nach zwei Wochen elektrischer Fortbewegung ein positives Resümee: „Für den Alltag in der Stadt und kleine Ausflüge ist der E-Transporter mit seinen sieben Sitzen und der großen Ladefläche wirklich bestens geeignet“, fasst Dagmar Flores zusammen. „Längere Strecken, wie kommende Woche nach Kroatien, würden wir aufgrund der kurzen Reichweite zwar noch nicht mit dem Wagen in Angriff nehmen, doch wir sind davon überzeugt, dass Elektromobilität die Zukunft ist – umweltfreundlich und komfortabel.“

Essens grüne Woche für urbane Mobilität

Eine Fülle von Aktionen sensibilisiert die Essener im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche (EMW) vom 16. bis 24. September für Themen der nachhaltigen Mobilität.

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Das Motto der EMW in diesem Jahr lautet „Gemeinsam Nutzen bringt Dich weiter“. Ein Themenschwerpunkt im Programm wird sich auf Sharing-Aktionen zum Umweltverbund konzentrieren. In diesem Zusammenhang ist die Eröffnung der zweiten Mobilstation am S-Bahnhof Steele am 19. September ein besonderer Höhepunkt. Ebenso verspricht die Sternfahrt zum ökumenischen Open-Air-Fahrradgottesdienst auf Zollverein am 23. September ein Highlight zu werden. Zudem wird sich die Grüne Hauptstadt an gut frequentierten Knotenpunkten bei Radfahrern mit einem kleinen Präsent für ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität in Essen bedanken.

Wer schon jetzt den Rhein-Ruhr-Express (RRX) erleben möchte, kann sich am 16. September von 10 bis 16 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz ein Bild des wichtigsten Schienenprojektes in NRW machen. Neue, energieeffiziente Züge werden die Metropolen zwischen Köln und Dortmund in Zukunft im 15-Minuten-Takt verbinden. Mit mehr Qualität, Komfort und Pünktlichkeit soll der RRX jeden Tag mehr als 24.000 Personenfahrten von der Straße auf die Schiene verlagern. Jährlich können so 8.500 Tonnen CO2 eingespart werden.
www.rrx.de

TESTE EIN LASTENRAD

Lastenräder bieten die Möglichkeit, schwere Lasten auch ohne Auto zu transportieren. Die Aktion „Lastenräder für die Nachbarschaft“ wurde von ADFC, VeloCityRuhr und Transition Town Essen ins Leben gerufen und möchte in möglichst vielen Essener Stadtteilen ein Lastenrad zur kostenfreien Ausleihe anbieten. Zurzeit läuft der Aufbau eines Netzwerks von Stadtteilpaten, die das Lastenrad im Stadtteil betreuen. Transition Town baut derweil eine Verleihplattform im Internet aus. Wer ein solches Rad ausprobieren möchte, hat am 21. September im Rahmen des Feierabendmarkts am Weberplatz die Möglichkeit dazu.

Das vollständige Programm der EMW ist im Netz erhältlich.
www.essengreen.capital/mobilitaetswoche

Tag der guten Lebensmittel

Eine lokale und saisonale Ernährung ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt. Was gute Lebensmittel sind, hinterfragt der Festivaltag in Kooperation mit der Initiative Slow Food am 7. Oktober am Weberplatz.

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Im Rahmen der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 sind zahlreiche Aktionen und Projekte entstanden, die sich mit einer lokalen und nachhaltigen Ernährungskultur in Stadt und Umgebung beschäftigen. Am 7. Oktober werden diese von 12 bis 19 Uhr auf dem Weberplatz der Öffentlichkeit vorgestellt. Der „Tag der guten Lebensmittel“ stellt den Besuchern mögliche Alternativen zum aktuellen Konsumverhalten vor. „Der Festivaltag bietet eine bunte Mischung aus Markt, künstlerischem Programm und Information sowie die Möglichkeit, sich in verschiedenen Workshops auszuprobieren“, verspricht Projektmanagerin Anne Burzlaff vom Projektbüro der Grünen Hauptstadt. An rund 25 Marktständen können Besucherinnen und Besucher regionale Lebensmittel direkt vom Produzenten kaufen und probieren. Außerdem mit eigenen Ständen vertreten sind unter anderem die Ackerhelden, Transition Town, die GreenApes sowie zahlreiche weitere Initiativen und Akteure. Auf einer kleinen Bühne wird zudem für die Unterhaltung der Gäste gesorgt. Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es im Netz: www.essengreen.capital

Ein neuer Blick auf Essen

Die „Essener Aussichten“ sollen helfen, die Stadt besser kennenzulernen. 31 Aussichtspunkte gewähren einen neuen Blick auf Essen.

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Die „Essener Aussichten“ wollen zeigen, wie grün Essen wirklich ist. An 31 Aussichtspunkten soll sich dem Betrachter ein neuer Blick auf die Stadt eröffnen. Eine Reihe von Aussichtspunkten wird in den kommenden Wochen und Monaten mit Infostelen gekennzeichnet, andere erhalten eine Sitzmöglichkeit. Die Infostelen wurden von einer Firma in Dorsten aus Recyclingbeton gegossen und anschließend mit dem Sandstrahl bearbeitet. Stelen werden überall dort zu finden sein, wo die Örtlichkeit eine Kennzeichnung erfordert, die auch aus einiger Entfernung erkennbar ist. An besonders schützenswerten Bereichen wird auf die Stele verzichtet. Dort lädt ein Sitzblock zum Verweilen ein. Infostelen wie auch Sitzblöcke werden mit einer kleinen Hinweistafel und einem zusätzlichen QR-Code ausgestattet. Eine Liste aller Aussichtspunkte und weitergehende Informationen hält die Stadt Essen auf ihrer Website bereit.
essen.de/location/essen_aussichten_uebersicht.de.html

Mit Greenfuel über die Ruhr

Im August hat mit der MS innogy das erste Schiff, das mit klimafreundlichem Methanol betrieben wird, seinen Dienst auf dem Baldeneysee angetreten.

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Wenn es nach den Entwicklern des Energieunternehmens innogy geht, wird der traditionelle Schiffsdiesel bald nur noch selten zum Einsatz kommen. Künftig sollen saubere Treibstoffe, die sogenannten „greenfuels“, Schiffe antreiben, ohne die Umwelt zu belasten. Wie das geht, stellt jetzt ein CO2-neutraler Schiffsantrieb mit Methanol unter Beweis. Die benötigte Energie für den Betrieb der Brennstoffzelle stammt ausschließlich aus regenerativen Quellen. Energieträger ist Methanol, ein flüssiger Alkohol mit sehr hoher Energiedichte. Erzeugt wird dieser unter anderem am Baldeneysee im Wasserkraftwerk am Stauwehr. Sollte der Methanol-Antrieb, der sich noch in der Testphase befindet, während der Fahrt ausfallen, übernimmt ein Dieselmotor neuester Generation und mit modernster Filtertechnik dessen Aufgabe.

Betrieben wird die MS innogy nun von der Weißen Flotte Baldeney. Nach der Einweihung Ende August auf dem Baldeneysee sticht die MS innogy erstmals am 7. September im Rahmen der Tour „Auf zu neuen Ufern“ mit Fahrgästen in See. Weitere Ausflüge mit dem CO2-neutralen Schiff finden Interessierte im Netz.
www.baldeneysee.com

Green Capital Day

Der Green Capital Day macht Essen schöner – denn im Jahr der Grünen Hauptstadt soll mindestens ein Ort in jedem der neun Stadtbezirke aufgewertet werden.

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Um dieses Ziel zu erreichen, packen die Bezirksvertretungen, Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche öffentliche und ehrenamtliche Institutionen tatkräftig mit an. Die Kosten der verschiedenen Projekte werden zu gleichen Teilen von den Bezirksvertretungen und dem Projektbüro der Grünen Hauptstadt getragen. So ist in Rellinghausen bereits ein barrierefreier Kirchvorplatz entstanden, der zum Sitzen und Verweilen einlädt, und auch der historische Frohnhauser Platz am Westpark erstrahlt in neuem Glanz. In einem Kistengarten am Thusneldaplatz in Karnap wird seit einiger Zeit fleißig gegärtnert, in Kupferdreh wurde ein verwildertes Areal für Freizeitsportler aufgewertet und dank des Baldeneysteigs gibt es nun eine 27 Kilometer lange Wanderroute rund um den Baldeneysee. Welche Projekte die übrigen Bezirksvertretungen realisiert haben, werden sie in Kürze bekanntgeben.

Downloads

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Hier finden Sie die PDF-Datei der Ausgabe 05.2017 von Heimatgrün, die mit freundlicher Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) erstellt wurde.

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Impressum

Bildnachweise in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
Bild 1, 4, 5, 7 und 13: Jochen Tack
Bild 2: Melanie Kemner
Bild 3: Stefan Funke / CP COMPARTNER
Bild 6: Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017
Bild 8: Henning Maier-Jantzen
Bild 9: Sascha Kreklau
Bild 10: Grugapark Essen
Bild 11: RAG Montan Immobilien
Bild 12: Peter Prengel / Stadt Essen

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v.i.S.d.P.: Michael Höffken, Guido Schweiß-Gerwin
Geschäftsführer: Michael Höffken, Guido Schweiß-Gerwin

Erfüllungsort und Gerichtsstand: Essen
Handelsregisternummer: HRB 20929
USt-ID-Nr.: DE262295109

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